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  2026-04-19
Dresdner Festspiele im Vogtland – Citylaufverein beim Göltzschtalmarathon kaum vom Podest zu bekommen
 

Die Tortour an der Ruhr – eine Schicksalsprüfung

Beim Spartathlon in Athen lernen Ina und ich Matthias kennen. Und Conny, seine Frau und Supporterin. Wie man im Volksmund so schön sagt: Die Chemie bei uns Vieren stimmte. So beschlossen wir eine gemeinsame Crew für dieses Laufevent zu bilden.

In Korinth ging es Matthias dann gar nicht gut. Ich musste allein weiterlaufen, weil es zu ungewiss war, ob er den Spartathlon fortsetzen kann. Eine Minute vor dem Cut off versuchte Matthias dann sein Glück.
Der Mut hat sich gelohnt, er ist heute der älteste Spartathlon-Finisher aller Zeiten weltweit.

Die Tortour de Ruhr war jetzt die Chance, dass wir als Team das zu Ende bringen, was uns in Sparta nicht vergönnt war. Da Ina gern zum Backyard nach Hamburg wollte, passte es perfekt, dass wir uns die bei diesem Event obligatorische Crew mit Conny, Leni und Jonas teilen konnten.
An der Stelle von Herzen danke Euch dreien, dass ihr Matthias und mich so fantastisch unterstützt habt.


Hat ebenso wenig geschlafen wie ich: Unser Crew-Mitglied Conny

Matthias fragte mich schon vorher, ob ich mir wirklich sicher sei, wo ich doch in die Top 3 laufen könne und ihn nun als Bremse hätte.
Da sind zwei wesentliche Punkte:
Erstens: Das gemeinsame Laufprojekt war mir wichtiger als die Endplatzierung.
Zweitens: Matthias hat dieses Jahr zwei deutsche Rekorde bei den Männern 70 aufgestellt: 1:24 im Halbmarathon und 3:44 über 50 km. Sorry, aber für diese Zeiten muss ich mich auch ganz lang machen …

14 Tage vorher beim gemeinsamen „Abschlusstraining“ bei der DM Trail in Nesselwang, waren wir nahezu zeitgleich nach ca. 10 Stunden im Ziel. Das konnte doch nur gut werden ….

Unsere Taktik war: Wenn es die ersten 20 km nach der Ruhrquelle stark bergab geht…
… bitte nicht mehr als 10 km/h oder mit einer 6er Pace.
Bedeutet: Das Läuferfeld erstmal weglaufen lassen. Ich war als Bremsläufer für Matthias eingeteilt und die ersten 13 Km hatten wir privat als Crew noch einen vielfachen deutschen Meister als zweite Bremslokomotive. Lothar Esser – der „Uwe Merdon des Spiridon Frankfurt“, einem der erfolgreichsten deutschen Laufvereine.

Zwischen Kilometer 25 und 45 hatten wir Jonas als zweiten Bremsläufer an unserer Seite. Die Taktik war in Anbetracht der Hitze wunderbar. Wir liefen mit Pausen sehr gleichmäßig etwa 9 Kilometer jede Stunde. Ab Kilometer 30 waren wir konstant auf der Überholspur, weil viele das Tempo drosseln mussten.

Das Wetter war Spartathlon 2.0, nur ohne Eiswürfel aller 5 km und mit etwas mehr Schatten, wegen einiger Bäume. Trotzdem brauchten wir unsere Crew aller 5 km mit Kühlwasser, damit das feuerrote Citylaufverein-Schlauchtuch auf meinem Kopf immer Nass bleibt. Bei km 58 passiert dann das Unerwartete: Wir haben einen schönen Treffpunkt im Schatten, versorgen uns, nehmen Kühlwasser auf. Plötzlich rutscht Matthias zusammen. Jonas und Leni bringen ihn in stabile Seitenlage. Grundsätzlich ist so ein kurzer Kreislaufstopp nicht ungewöhnlich bei den extremen Belastungen und auch mir schon passiert. Da Matthias aber etwa 30 Sekunden weg war, ist die Sache zu riskant: Wir alarmieren den Rettungsdienst.

Jonas animiert mich zunächst, weiterzulaufen. Aber meine Entscheidung ist klar. Diesmal haben wir genug Zeit bis zum Cutoff und ich möchte beim gemeinsamen Happy End am Rheinorange dabei sein.
Ich glaube an das Comeback von Matthias wie 2024 in Korinth.

50 min später laufen wir weiter. Matthias ist top motiviert und aufgeben kommt nicht in Frage. Der Notarzt sah das naturgemäß anders, konnte aber nach 30 min EKG, Blutdruck & Co nur einwandfreie Werte feststellen.

Auf den folgenden Kilometern begleitete uns Jonas wieder und passte gut auf uns auf. Die Unbeschwertheit von vorher war nun weg. Vorsichtig steigerten wir das Tempo bauten strategische Gehpausen ein. Wir hofften auf die Kühle der Nacht. Die nächsten 30 km waren hoffnungsvoll, allerdings wurde dann augenfällig, dass Matthias viel weniger Essen annahm als ich.

Wir machten uns Sorgen und versuchten es mit Cola, Hafermüsli und einem speziellen Isodrink. Bei Kilometer 106 war dann klar, entweder große Essenspause nach Pasta-Party Art oder die Energie wird nicht reichen. Nach 15 min Bedenkzeit entschied sich Matthias gegen das Essen und schickte mich allein auf die Strecke.

Es war nun dunkel und alles fühlte sich für mich wie zwei getrennte Wettkämpfe an. Ich hatte zunächst einige Mühe, nach dem „Neustart“ des verbleibenden 122 km Rennes den gewohnten Rhythmus zu finden. Die gleiche Taktik ging am Ende auf: möglichst 10 Kilometer die Stunde durchlaufen, aller 2 Stunden Conny treffen und 15 min pausieren.

Man kann einem Laufpartner Sachen abnehmen, Essen & Trinken abgeben, aber eines leider nicht: Ein Stück von der eigenen Form abgeben. Ich hatte einen exzellenten Tag erwischt. Viele Läufer, die ich überholte, freuten sich darüber und hätten gern auch dieses Gefühl gehabt.

In der Kühle der Nacht malte ich mir als Happy-End aus, dass Matthias früh nach dem Ausschlafen auf das Rad steigt und wir dann zusammen beim Ziel Rheinorange in Duisburg ankommen. 33 km vor dem Ziel war es dann soweit, Matthias hatte sich erholt und so rauschten wir mit weitgehend fliegender Versorgung und immer noch konstantem Lauf-Tempo dem Ziel entgegen.

Zielegrü0ung durch den Org-Chef
Begrüßung im Ziel durch Org-Chef Jens Witzel

Wir Menschen sind so konstruiert, dass sich jeder von uns über eine Belohnung für die Mühen freut. Urkunden, Pokale, Gürtelschnallen, Siegerehrungen, Ranglistenpunkte…

Ich sollte diesmal neben der 100-Meilen-Gürtelschnalle eine besonders wertvolle Belohnung bekommen. Die hoffentlich und vermutlich einmalig bei einem Lauf bleiben wird: Den anerkennenden Respekt anderer Läufer, dass ich mich am Rettungswagen bewusst gegen eine mögliche Treppchen-Platzierung und für unser gemeinsames Laufprojekt entschieden hatte.

Stichwort Belohnung:

Der spätere Dritte ist mit Jürgen Klopfer ein Athlet, den ich 2024 in Griechenland ebenso kennen und schätzen lernen durfte. Seine große Freude war auch mir eine Freude. Er hatte bei seiner ersten Teilnahme eine Tortour erlebt und konnte sich nun „Spartathlon-Hitzeerprobt“ mit einem Rheinorange-Pokal belohnen.

Auch ich sollte noch eine weitere Belohnung erhalten. Oliver Witzke, der Organisator der Heidi222 war als Crew vor Ort und schenkte mir als Vorjahressieger einen Freistart für das nächste Jahr. Damit ist seit Pfingsten 2026 wohl klar, was ich Pfingsten 2027 machen werde.

von Uli Trodler
Veröffentlicht am 2026-05-27
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